Der Treibstoff aus den Tropen:

Jatropha Curcas - ökonomisch, nachwachsend und CO2 neutral

Jatropha-Curcas ist eine Pflanze, die in den Tropen heimisch ist und seit vielen hundert Jahren in den Ländern Afrikas und Asiens bekannt ist. Da die Nüsse und Blätter für Tier und Mensch nicht essbar sind, dient die Pflanze in Afrika traditionell als Schutzhecke von Feldern, auf denen andere Früchte angebaut werden. An die Nutzung des Öls als Treibstoff für Motoren hatte man aber nicht gedacht, da das Wissen um diese Nutzung nicht bekannt war.
Erst vor 25 Jahren begann man in Mali im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit systematischen Versuchen zur Gewinnung von Treibstoff und fand heraus, dass Jatropha-Öl ohne weitere chemische Bearbeitung in modifizierten Dieselmotoren mit Einschränkungen verwendet werden kann.
Allerdings war es damals nicht möglich, Jatropha-Öl als Alternative zum Mineralöl zu vermarkten, und so den Bauern zu einem zusätzlichen Einkommen zu verhelfen, da Dieseltreibstoff in den 80er Jahren preislich auf niedrigem Niveau lag. Der Anbau von Jatropha-Pflanzen zur Ölproduktion hatte sich daher nicht gelohnt.

Ökonomische Aspekte

Im Gegensatz zu den Gegebenheiten in den 80er Jahren haben sich die wirtschaftlichen Bedin-gungen zum Anbau von Jatropha-Pflanzen heute im Jahr 2006 entscheidend geändert. So lag der Preis für einen Liter Dieseltreibstoff in Mbinga / Süd-Tansania im September 2006 auf 1,02 EUR. Der Anbau von Jatropha-Öl kann daher für viele Bauern in Afrika und Asien zu einem zusätzlichen Einkommen führen. Voraussetzung ist, dass ein möglichst effektives Verfahren zur Gewinnung des Öls genutzt wird und der nachwachsende Treibstoff anschließende aus Kostengründen nicht weit zum Verbraucher transportiert werden muss.

Nachwachsend und CO2-neutral

Die weltweite Erwärmung der Atmosphäre wird mittlerweile nicht mehr als saisonale Schwan-kung gedeutet, sondern als eine elementare Bedrohung des Klimahaushaltes der Erde, die durch hohe CO2 Emission bedingt ist. Die Folgen dieser Erwärmung sind bereits eingetreten und zeigen sich in der verstärkten Zerstörungsenergie der Wirbelstürme, dem Abschmelzen vereister Bergkuppen und dem Ausbreiten der Wüste.
Der Anbau von Jatropha-Curcas Pflanzen steuert dem Effekt der globalen Erwärmung entgegen, denn die Pflanze absorbiert während des Wachstums genau dieselbe Menge an CO2 Gas, die auch bei der Verbrennung im Motor freigesetzt wird.

Bei allen Aktivitäten im Anbau von Jatropha-Pflanzen steht uns die Versuchsfarm Kakute Ltd. aus Arusha im Norden von Tansania an der Grenze zu Kenia hilfreich zur Seite. Hier beschäftigt man sich seit sechs Jahren intensiv mit dem Anbau und der Nutzung von Jatropha-Pflanzen und hat sowohl den optimalen Pflanzabstand der Setzlinge als auch den Wasserbedarf während der verschiedenen Wachstumsphasen genau ermittelt.
Die Pflanze wächst auch auf mageren Böden, die zum Anbau von Mais und anderen Feldfrüchten nicht mehr geeignet sind. Dieses so genannte sleeping land steht in weitaus größerem Umfang zur Verfügung, als das eigentliche hochwertige Farmland.
Zusätzlich zu den verschiedenen Kakute-Farmen bei Arusha und Moshi, die bereits sichere Erträge erbringen, wurden im Rahmen des Projektes Strom aus Pflanzenöl ab dem Jahr 2003 von unseren meist kirchlichen Projektpartnern in Tansania weitere Jatropha-Felder und -Hecken in verschiedenen Höhen und auf unterschiedlichen Böden angebaut:
Mbinga/Songea 20.000 Bäume
Pilipili/Songea 6.000 Bäume
Ligano/Songea 2.000 Bäume
Ifakara/Mahenge 8.000 Bäume
Mabamba/Kigoma 15.000 Bäume
Bei einem Abstand von je 2,5 m können je nach Bodenbeschaffenheit und abhängig von den klimatischen Bedingungen jährlich 2 bis 4 Tonnen der ölhaltigen Nüsse pro Hektar geerntet werden. Daraus lassen sich durch Auspressen mit einer Hand- oder einer Motorpresse 400 bis 700 Liter hochwertiges Pflanzenöl gewinnen.